Familie Kather - Der Silvesterpunsch
1. Akt: Die große Sau(f)erei
 

Heinz: Ingrid! Heute sollten doch Käthe und Hugo Klawitter zu Besuch kommen!?
Ingrid: Oh ja Heinz! Da machen wir doch wieder unseren Silvesterpunsch, oder?
Heinz: Au ja, die werden Augen machen!
Ingrid: Ja, und Umstände!
Heinz: Harhar, wo ist der Spiritus?
Ingrid: Aber Heinz! Den Gag hatten wir doch letztes Mal!
Heinz: Na gut, dann laß mich mal machen. Das wird wieder eine lustige Völlerei!
Ingrid: Nix gegen Rudi!!!!
Heinz: Also, ich hol' dann mal den Punschkübel aus'm Keller!
Ingrid: Und ich hänge Käthes wertvolle Handarbeiten wieder an die Wand. Wo hab' ich die denn nur wieder? Hatte ich sie auf den Speicher... Oder doch schon Oma gegeben? Die kann alles verwerten Weißt Du noch, wie sie aus deiner alten Angora-Rheumadecke Eierwärmer gemacht hat?

Nach zwei Stunden: Ding Dong!

Heinz: Das müssen sie sein! Schalt' schon mal den Heino an!

Ingrid schreitet zur Türe und öffnet. Sofort stürmt der Wurschtel alias Hugo Klawitter in die Wohnung.

Hugo: Kläff. kläff!
Heinz: Komm Onkel Hugo, stell' dich nicht so an! Kriegst gleich dein Freßchen!
Käthe: Oh jösses Hugo, nitt schon widder. Und wedel nicht so aufdringlich mit dem Schwanz!
Hugo: Miau!
Käthe: Oh jösses, nönönönönö! Bei Fuß jetzt! Mach Männchen! Hier haste Leckerchen!

Käthe greift zur Punschkelle.

Käthe: Mach' schön Freßchen!
Ingrid: Och nö, nitt schon wider!
Heinz: Laß ihn doch, wenn es ihm Spaß macht!
Hugo: Wau wau!
Ingrid: Nein, nicht auf den Perserteppich!
Käthe: Och nö, nitt schon widder!
Heinz: Ich hol' schon mal den Staubsauger!
Ingrid: Hugo, zieh sofort dein Pudelmützchen wieder an'
Hugo: Och nö, nitt schon widder!
Käthe: Ja wenn dat so ist!! Ich muß jetzt aber auch mal! Laß' den Staubsauger gleich hier!
Ingrid: Och nö, nitt schon widder!
Heinz: Wollt ihr was trinken?
Käthe: Och jo, Punsch wär' jetzt suppentoll!

Unbemerkt hat unterdessen Hugo in den Kübel gepinkelt.

Nachdem Käthe genüßlich ihr erstes Glas gepichelt hat, kommt Hugo angewackelt und stammelt: Pinkelpunsch, Pinkelpunsch...

Unter leichtem Würgen schleppt sich Käthe in den Garten.

Heinz: Ich find' den Punsch lecker!
Ingrid: Basses!

Käthe schleppt sich und ihre linke Brust herein.

Heinz: Haste nicht was vergessen?

Leicht errötend schleppt sie sich suchenden Blickes in der Garten zurück. Kurz darauf erscheint sie bereits wieder, diesmal die linke Brust haltend und jammert: Mein Herzklapperfehler... meine Herzkranzgefäße... mein Herzschrittmacher... mein Herz @!@!@!

Hugo: Wuff!
Ingrid: Is' ja tierische Action hier!
Hugo: Miau!
Heinz: Och nö, nitt schon widder!

Heinz versucht Mund zu Mund Beatmung.

Heinz: Was'n Mief. Ist ja schlimmer als bei Oma!

Hugo nutzt die Zeit, um sein Revier zu markieren.

Ingrid beginnt zu transpirieren und haluziniert: So'n Dreck! Dat kann ich nachher alles wieder saubermachen!

Oma kommt die Treppe hochgestampft.

Oma: Oh, habt ihr 'ne Fete hier? Gibt es hier was zu trinken?
Heinz: Bedien dich ruhig! Der Punsch ist da vorne!

Hugo gibt brav Pfötchen, während sich Oma am Punsch gütlich tut. Käthe stammelt ihre letzen Worte: Och nö, nitt schon widder!

Heinz: Watt hat 'se gesagt? Ingrid, hast du das verstanden?
Ingrid: Ich glaube wir kriegen die Eierwärmer zurück!
Oma: Die trag ich doch schon die ganze Zeit!
Heinz packt Käthe am Kragen und schüttelt sie: Das hast du uns verschwiegen!
Käthe: Röchel röchel!
Oma: Ich geb' meine Eierwärmer nicht her! Die kriegt keiner! Die sind so schön warm!
Hugo: Also das finde ich ja nicht in Ordnung! Da mach ich die ganze Scheiße hier nur um die Eierwärmer zu kriegen, und die Oma trägt sich warme Ohren damit!
Ingrid: Der Hund spricht ja!

Mit diesen Worten kippt Ingrid in Heinz' Arme.

Heinz: Mein Ischias!

Beide zusammen stürzen auf den Orgelhocker, welcher in tausend Stücke zerbirst. Heinz läßt Ingrid sofort achtlos neben sich fallen, wobei sie sich eine 5-Markstück große, unwahrscheinlich blutende Wunde zuzieht.

Heinz mit einer Träne im Auge: Vielleicht krieg' ich den Hocker ja nochmal zusammengeflickt!
Oma: Hugo, laß ab, laß ab!
Hugo: Plätscher!
Oma: Laß ab von Käthe! Mir ist schlecht. Das muß wohl am Punsch liegen. Die Brühe hat gleich so verdächtig geschmeckt! Heinz, haste wieder deinen Spiritusgag untergebracht?
Heinz: Wo krieg ich jetzt Holzleim her?
Ingrid: Ääääääääääääääähhhh! Ist das mein Blut, in dem ich hier liege? Heinz, so sag doch was!
Heinz: Mein Hocker!!
Oma: Wo habt ihr den Staubsauger hingestellt? Ich muß mal!
Hugo: Och nö, nitt schon widder!

Zenzie, das Hauskätzchen, schleicht herbei. In Hugo wird wieder der Hund wach und bricht mit ihm durch. Eine wilde Jagd durchs Haus beginnt welche auf dem Speicher ihr Ende findet, wo nebenbei noch ein paar kleine Hugileinchen und Zenzileinchen gezeugt werden.

Heinz zu Oma: Oma! Was interessiert mich dein Staubsauger! Die Ingrid blutet mir gerade meine Hockerreste voll! Wo ist denn bloß der Hugo? Der schlabbert doch sonst alles auf! - Oma, nu' reich mir doch mal die Punschkelle rüber, die Ingrid blutet wie'n Schwein, die Blutflecken krieg ich sonst nie wieder raus!
Ingrid: Also ist es doch mein Blut! Wußt' ich's doch gleich! Heinz hol' doch mal den Verbandskasten, ich blute!
Heinz zu Oma: Du hast es gehört, also marsch marsch! Ich kann jetzt hier nicht weg, ich muß die Punschkelle halten! Sonst schlabbert mir noch was auf den Samtbezug! Und guck mal nach Hugo!

Heinz klaubt mit letzter Kraft die Hockerreste zusammen, während er mit der anderen Hand immer noch die Punschkelle hält, die langsam zu überlaufen droht.

Heinz: Oma, mach flott! Es wird hier brenzlig!

Oma kommt in Windeseile ins Zimmer gestürmt.

Heinz: Jetzt gib mir mal den Verbandskasten, und halte die Kelle gefälligst!

Heinz krabbelt durchs Zimmer und rafft die letzten Splitter seines Lieblingshockers zusammen. Derweil entleert die verzweifelte Oma die volle Kelle in den Punsch

Ingrid: Ich glaub', ich hab' Fieber!

Heinz hockt im Schneidersitz vor dem Trümmerhaufen seines Allerheiligsten. Hektisch grabscht er nach dem Verbandskoffer, reißt die letzten drei Packungen Mullbinden heraus und beginnt, die ersten Blessuren zu verarzten. Es dauert nur eine halbe Stunde, und sein Allerheiligstes steht wieder auf vier Beinen.

Die Szene: Ingrid wirkt immer bleicher, der Punsch immer roter, Oma kriegt einen lahmen Arm und Heinz hat ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Ingrid: Ich seh' rot!
Oma: Wenn du so weiterblutest seh' ich schwarz!
Heinz: Ingrid, mach langsam. Dann haste mehr davon!
Ingrid: Aaaaaaaaahhhhhh!

Krach.

Heinz: Aaaaaaaaahhhhhh!
Oma: Heinz, dein Hocker!

Heinz entreißt der Oma die Putschkelle und beginnt, damit auf sie einzuschlagen.

Heinz: Kannst ruhig ein bißchen mehr Mitgefühl zeigen!
Ingrid: Ich blute auch noch!
Oma: Aber nicht mehr lange - aua, aua...
Heinz: Denk an meine Worte: Tu langsam, dann haste mehr davon!!
Ingrid: Ich sterbe, ich sterbe...
Heinz: Stell dich nicht so an! Guck dir meinen Hocker an, dann weißt du, was Leid ist!

Hugo taucht wieder auf.

Oma aus letzter Kraft: Wurschtel, faß Heinzibeinchen!!

Hugo watschelt aber nicht etwa zu Heinz sondern zur Oma.

Hugo: Ich will meine Eierwärmer, jetzt auf der Stelle!
Oma: Aua, aua, aua...
Ingrid: Ich glaub', ich sterb' wirklich!
Heinz: Ich glaub' es auch bald!

Heinz läßt ab von Oma und meint: Ok, ich laß dich jetzt in Ruhe! Aber nur, wenn du den Dreck hier wieder wegmachst!
Oma: Meine Eierwärmer, meine Eierwärmer! Ich hab' sie mir gequetscht!

Hugo schlabbert an dem Punsch herum und entfernt sich kurz darauf mit einer grünlichen Gesichtsfarbe in den Garten, wo er dann auch leise vor sich hinreihert.

Ingrid: Sanitäter!!!!
Heinz: Schreiner!!!!!!!!!
Oma: Ich geh' jetzt, mir wird das hier zu bunt. Ich geh' die Koffer packen! Ich fahr' nach Mallorca! Tschö...
Heinz: Ingrid, biste jetzt Bluter? Guck dir mal die Sauerei an! Der ganze Punsch ist hin, und der Teppich wird wahrscheinlich auch nicht mehr sauber! Schämst du dich denn gar nicht?

Ingrid winselt vor sich hin.

Heinz: Warum jammerste mir eigentlich die Ohren voll? Ruf dir doch 'nen Arzt! Aber kein Ferngespräch, sonst kann ich mir keine neue Angora-Rheumadecke leisten!

Nach einer Weile andächtigen Schweigens:

Ingrid: Ich könnt' jetzt Urlaub gebrauchen!
Heinz: Soll'n wir Hugo mitnehmen? Jetzt wo er ohne Frauchen durch die Gegend streift?
Ingrid: Och nö, nitt schon widder!